Wir waren schon etwas traurig, als wir im internationalen ARTour-Team beschließen mussten, die Begegnungsfreizeit auch dieses Jahr abzusagen. Eigentlich sollte schon im vergangen Jahr das Camp auf dem Harsberg mit rund 50 Personen aus den vier EU-Ländern Finnland, Frankreich, Luxemburg und Deutschland den Abschluss des Projekts „ARTour – Me and my Region“ bilden. Doch auch dieses Jahr machte uns Corona einen Strich durch die Rechnung. Einfach so einschlafen lassen konnten wir das Projekt aber auch nicht. Und so wurde die Idee geboren, zeitgleich in allen vier Partnerregionen ein lokales Feriencamp durchzuführen und virtuell gemeinsame Projekte durchzuführen. In Finnland kam leider keine Gruppe zustande, aber in den übrigen drei Regionen gab es in unserer ersten Sommerferienwoche ein Ferienlager unter dem Motto „Zero Waste“ – zu Deutsch: „Kein Müll“.

Fotomontage aus Bildteilen, die von den drei Landesgruppen erstellt wurden.

Die französische Gruppe zeltete an der bretonischen Küste, die Luxemburger blieben in ihrem Jugendhaus und wir waren – wie ursprünglich geplant – auf dem Harsberg. Jede Gruppe hatte weitestgehend ihr eigenes Programm, aber mindestens einmal am Tag trafen wir per Discord-Chat oder Videokonferenz zusammen. Die schlechte Datenverbindung erschwerte dies leider erheblich. Trotzdem waren unsere gemeinsamen Projekte erfolgreich. Es entstanden drei „Land-Art“-Bilder und ein Musikvideo. Jede Landesgruppe begann ein Bild aus Naturmaterialen, das die jeweils anderen beiden Gruppen vervollständigen sollten. Die andere Workshopgruppe sammelte Umweltgeräusche. Ein, in der Luxemburger Partnerregion ansässiger Musikproduzent setzte daraus ein Instrumentalstück zusammen, auf das dann wiederum jede Landesgruppe eine Strophe dichtete. Zusammen mit Videoclips, die ebenfalls aus den Partnerregionen zusammengetragen wurden, entstand so am Ende ein Musikvideo.

Auch bei uns vor Ort standen die Tage unter dem Naturmotto. Nachdem am Montag erst einmal Ankommen und Kennenlernen auf dem Programm standen, ging es am Dienstag um die Aufbereitung von Trinkwasser – Nachmittags wanderten wir ins Mihlaer Freibad. Der Mittwoch stand unter dem Thema Ernährung. Morgens machten wir mit einer Nationalparkführerin einen Kräuterspaziergang und lernten einiges über essbare Wildkräuter. Aus unserer Ernte mischten wir einen Salat, der den meisten zugegebenermaßen etwas zu bitter war. Das sind wir durch die Supermarktzüchtungen nicht mehr gewohnt. Am Nachmittag buken wir aus selbstgezogenem Sauerteig Brot und – symbolisch für die Jagd – übten wir uns im Bogenschießen auf Zielscheiben. Für den Donnerstagmorgen kam uns Schulsozialarbeiterin Anne Schmidt zu Hilfe: die Holzbildhauermeisterin unterstütze die Kinder und Jugendlichen dabei, aus allerlei mitgebrachtem Müll neue, schöne oder nützliche Gegenstände zu schaffen. Nachmittags durchquerten wir den Nationalpark, um uns in Kammerforst dem Kletterwald zu stellen. Der Freitag stand dann schon ganz unter dem Stern der Abreise. Am Vormittag wurde aufgeräumt und nach dem Mittagessen trudelten nach und nach die Eltern ein, um ihre Kinder abzuholen.

Alles in allem war es ein schönes Zeltlager für alle Beteiligten, auch wenn es als Begegnungsfreizeit natürlich noch um einiges besser gewesen wäre. Aber die Kolleginnen und Kollegen aus den Partnerregionen haben sich über die fünf Jahre, die das Projekt nun lief, soweit angefreundet, dass weitere gemeinsame Projekte jenseits der Pandemie bereits in Planung sind. Anfang Oktober treffen sich die Pädagog:innen, um das ARTour-Projekt auszuwerten und weitere Kooperationen zu planen.

„ARTour – Me and my Region“ ist ein Projekt, dass durch die RAG-Wartburgregion mit Mitteln des EU Programms „LEADER“ gefördert wird. Die Eigenmittel trägt die Stadt Treffurt. Ziel des Projekts ist, Jugendliche aus ländlichen Regionen Europas miteinander in Austausch zu bringen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken und natürlich, das Europäische Zusammenwachsen zu fördern. Es startete 2017 mit der Begegnungsfreizeit in Luxemburg, in den folgenden Jahren trafen die Gruppen sich in Frankreich und Finnland. Zwischen den Jugendbegegnungen fanden unterschiedliche Projekte in den Regionen statt, die sich künstlerisch mit dem Leben auf dem Lande auseinandersetzten. In Treffurt hatten wir in diesem Rahmen mehrere Film- und Theaterworkshops, sowie ein Fotoprojekt. Nach den Herbstferien wird in der Treffurter Bibliothek eine Ausstellung zum Projekt zu sehen sein.

ARTour geht zu Ende – Das Sommercamp

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